Wachstum ohne Grenzen

 

Wachstum ohne Grenzen

oder, wie mit zunehmender Verschuldung das Wirtschaftswachstum finanziert wird.


Ein paar Worte zu Beginn


In den letzten Jahrzehnten haben wir (die westlichen Industrienationen) eine unglaubliche Vermehrung von „Kapitalwerten“ miterlebt. Auch wenn immer mehr Menschen durch das soziale Netz der „sozialen Marktwirtschaft“ fallen, so ist der durchschnittliche Reichtum durchaus gestiegen. Immerhin haben wir inzwischen schon fast überall Zweitautos, Mobiltelefone, Heimrechner und immer mehr Eigenheime im Land verstreut. Doch zu welchem Preis? Die Schulden steigen tagtäglich immer höher, und mit diesen Schulden auch die Zinslast.

So stieg alleine die Verschuldung der Bundesrepublik Deutschland von 1991 bis 2005 von 595,9 auf 1447,3 Milliarden Euro. Die private Verschuldung der Haushalte nicht miteingerechnet. Doch nicht nur in der Bundesrepublik ist dieses Phänomen zu beobachten – nein, es betrifft sämtliche Industrienationen gleichermaßen.

Ein weiteres Paradoxon dieser Entwicklung im Rahmen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist, dass wenn die Staatsschulden nicht im entsprechenden Ausmaße steigen, die privaten Schulden stattdessen ansteigen. Ist doch irgendwie seltsam, nicht? Es scheint, als ob unser Wirtschaftswachstum lediglich durch Schuldenmacherei finanziert werden kann...


Warum diese Verschuldung?


Unser Wirtschaftswachstum beruht auf einer Logik, welche mit der Zinsrechnung zu tun hat. So verdoppelt sich die Schuldenlast bei einem gleichbleibenden Zinssatz alle paar Jahre. Bei einem Zinssatz von 7% sind dies rund 100 Jahre. Hier haben wir es mit einer klaren mathematischen Gleichung zu tun, welche in anderen Bereichen dieselbe Gültigkeit besitzt: zum Beispiel bei der Kernspaltung. Zuerst wird ein Neutron in 2 Teile gespalten, die spalten dann weitere 2 Neutronen in 4 – und irgendwann macht es einen gewaltigen Knall mit all seinen Folgen für die Umwelt. Bei den Zinsen ist es genau dasselbe.

Weiters ist zu berücksichtigen, dass mit diesem Zinseszinseffekt des Kapitals auch die Forderungen der Gläubiger stets ins Unermessliche steigen, die mit dem allgemeinen Wirtschaftswachstum aufgefangen werden müssen. Doch dies ist ein Ding der Unmöglichkeit: Denn die Wirtschaft kann nicht ins Unendliche steigen. Hier stehen die natürlichen Grenzen unserer Welt entgegen.

Dennoch wird mit der steigenden Schuldenlast eine Finanzblase am Leben erhalten, welche sich immer weiter ausdehnt, solange die zinsbedingte Umverteilung von der arbeitenden Masse zu den wenigen Kapitalbesitzern funktioniert. Und zur Zeit funktioniert sie noch.

Also: Wir können ein halbwegs akzeptables Wirtschaftswachstum nur durch eine massive Verschuldung erreichen, da ansonsten die Möglichkeiten zur Erhaltung des Lebensstandards nicht mehr möglich sind.


Der Beitrag der Globalisierung


Im Rahmen der wirtschaftlichen Globalisierung hat sich das Problem der Verschuldung einerseits zwar auch verlagert (und somit einen Zusammenbruch des kapitalistischen Systems verzögert), doch andererseits die Lage durchaus verschärft. Denn nun sind nicht mehr nur die kapitalistischen Staaten der westlichen Welt in diese Spirale der Schulden involviert, sondern auch die aufstrebenden Staaten der restlichen Welt.

In den Industrieländern werden Arbeitsplätze abgebaut und in billigere Länder verlagert. Doch der Lebensstandard soll ja auch hier gehalten werden, um die (billigeren) Produkte aus den Billiglohnländern auch hier anbieten zu können. Somit muss die Verschuldung zwangsläufig steigen, damit auch die einkommensschwachen Haushalte einen Anschluß an den Mittelstand halten können. Doch der Mittelstand will auch nicht auf liebgewonnene technische Errungenschaften verzichten, sodass sich auch diese Haushalte in die Schuldenfalle begeben, und ein Abstieg in das soziale Loch fast unausweichlich wird.


Doch was tun?


Unsere ganze Wirtschaft, unser System ist vollkommen auf Schulden aufgebaut. Solange wir uns verschulden um konsumieren und investieren zu können, wird dieses System der kapitalistischen Ausbeutung am Leben erhalten.Wir halten dieses räuberische System mit unseren Schulden und den zu zahlenden Zinsen in Bewegung, und merken dies nicht einmal.

Sobald wir damit aufhören Schulden zu machen, und nur noch das wirklich zur Verfügung stehende Geld ausgeben, wird das System vollkommen in sich zusammenbrechen. Denn dann ist kein Wirtschaftswachstum mehr möglich, da die Unternehmen zu wenig Kapital zur Verfügung haben werden. Ein Kollaps der derzeitigen wirtschaftlichen Ordnung wäre die logische Konsequenz aus diesem Verhalten. Doch, wird das wirklich geschehen? Ich halte das für unwahrscheinlich.

Dieses System besitzt einen riesigen Selbsterhaltungstrieb, welcher durch Werbung und konsumorientierter Erziehung der Menschenmassen dieser Welt am Leben erhalten wird.

Hier gibt es nur noch eine wirksame Möglichkeit: Sämtliche freien Geldmittel sollten nur noch in Edelmetalle angelegt, und wenn möglich zu Hause gebunkert werden. Denn mit dem baldigen Zusammenbruch dieser schuldenbasierenden kapitalistischen Ordnung wird auch sämliches Geld seinen Wert – und damit seine Funktion als Tauschmittel – verlieren. Eine Umbesinnung auf bleibende Werte ist die einzige Möglichkeit, einen Teil seines Geldes zu sichern. Zudem ist von einer (Neu-) Verschuldung dringend abzuraten, um diesem Zusammenbruch nicht noch mehr Macht zu verleihen.


Ein paar abschliessende Bemerkungen


Die oben dargelegten Betrachtungen sind sicherlich nicht vollständig, dennoch zeigen sie einen Teil der Mißstände unseres kapitalistischen Systems dar, und zeigen ein paar der Hintergründe auf, welche dem Normalbürger so nie gezeigt werden. Vielleicht werden durch diesen Beitrag zumindest ein paar Menschen aus ihrem Konsumwahn erwachen, und sich ein paar Gedanken über ihr eigenes Verhalten machen.


© M. Maier, im Ostermond 2007

12.4.07 21:11

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